{"id":114,"date":"2018-08-11T00:34:00","date_gmt":"2018-08-11T00:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lifeofanjamo.com\/?p=114"},"modified":"2023-03-26T00:40:35","modified_gmt":"2023-03-26T00:40:35","slug":"anjamo-macht-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lifeofanjamo.com\/?p=114","title":{"rendered":"Anjamo macht Sport"},"content":{"rendered":"\n<p>Sport und ich waren noch nie die besten Freunde. Was willste auch machen, wenn du als Kind der unsportlichsten Menschen des Planeten aufw\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei uns zuhause musste sogar die Nachbarin mit dem Hund gehen. Das sagt doch alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Dementsprechend traumatisch sind meine Erinnerungen an den Sportunterricht. Ich durfte oft nach Vorne kommen, um vorzumachen, wie man eine \u00dcbung NICHT macht. Bei einer Lehrerin, die schon die Mutter meiner besten Freundin gequ\u00e4lt hatte, und die aussah wie die weibliche, 70-j\u00e4hrige Version von Dirty Harry. Ja, das motiviert ungemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab nur zwei Dinge, in denen ich richtig gut war:<\/p>\n\n\n\n<p>Weitwurf (Ja, Weitwurf. Meine Lehrerin wollte es auch nicht glauben und stellte sich demonstrativ 10m vor mich hin und wollte auch nicht aus dem Weg, als ich mit dem Schleuderball ausholte und direkt ihren Solarplexus traf. Nicht, dass ich es nicht vorher gesagt h\u00e4tte.)<\/p>\n\n\n\n<p>Und V\u00f6lkerball. Bei V\u00f6lkerball hatte ich die unschlagbare F\u00e4higkeit, mich trotz v\u00f6lliger Blindheit (wer macht bitte mit 14 Sport mit Brille am Gummiband? Niemand. Eben.) unter jedem Ball herumzuwinden und gleichzeitig treffgenau alle Gegner abzuschie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abiball feierte ich vor allem das Ende des Sportunterrichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es ist ja nicht so, dass ich dem ganzen Thema gegen\u00fcber nicht aufgeschlossen w\u00e4re. Und so versuchte ich mich an Wasserski (\u2026und schluckte nach 1km b\u00e4uchlings auf dem Wasser mit 50 km\/h mehr Wasser, als ich jemals in meinem Leben zu mir genommen hatte), Schnorcheln (klappte sehr gut im knietiefen Wasser, am Riff hatte ich allerdings die Rechnung ohne meine H\u00f6henangst gemacht), Reiten (nein, nicht sch\u00f6n, wenn um dich rum 7-j\u00e4hrige sind, die ihr Pferd besser im Griff haben und du au\u00dferdem danach 5 Tage nicht mehr laufen kannst).<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bevor sich mein K\u00f6rper endg\u00fcltig in einen Haufen gallertartige Masse transformiert, muss gegengesteuert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so vereinbare ich einen Termin in meinem Fitness-Center, um meinen Trainingsplan anpassen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich und top-gestylt (das Auge trainiert schlie\u00dflich mit) stehe ich an der Rezeption. Mein Trainer ist noch nicht da. Wo er ist, w\u00fcsste man nicht, aber ich soll mich doch schonmal aufw\u00e4rmen gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter all den verf\u00fcgbaren Folterger\u00e4ten w\u00e4hle ich mir das Passendste f\u00fcr diese Aufgabe aus: Eine Art Liegerad mit Fernseher davor. Nach kurzem Klicken habe ich auch schon den perfekten Kanal gefunden: Eine Sendung \u00fcber&#8217;s Kochen. W\u00e4hrend gerade eine Art Schokoladensoufflee mit Kakaonibbs zubereitet wird und ich in angenehmer Geschwindigkeit in die Pedale trete, steht pl\u00f6tzlich mein Trainer vor mir. Eine junger Hansi Hinterseer-Klon mit hautenger Karottenjeans blickt ver\u00e4chtlich auf mich und meinen Bildschirm herab. OK. Jetzt ist also Schluss mit lustig. Ich frage mich, wie man zum Training Jeans tragen kann und ob er seine Eisenwaden morgens mit einem Schuhl\u00f6ffel in die sehr enge Hose bugsierte. Wir gehen zackig an einem Laufband-Forrest-Gump mit einem &#8222;Marathon 1997&#8220;-T-Shirt vorbei in Richtung B\u00fcro. Ich darf Platz nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und, was sind deine Ziele?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, also, da ich recht lang nichts mehr gemacht habe, w\u00fcrde ich gern etwas fitter werden und straffer.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wedle kurz mit meinem Winkfleisch zur Verdeutlichung.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aha. Und wie oft willst du trainieren?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, also schon 1x die Woche!&#8220; (Ganz oder gar nicht, das ist meine Devise.)<\/p>\n\n\n\n<p>Er schaut mich fassungslos an und beginnt mir einen ziemlich langen Vortrag zu halten, dass ich mindestens 4x die Woche trainieren m\u00fcsste und dass in meinem Alter der Muskelab- und der Fettaufbau direkt proportional zunehmen w\u00fcrde,&nbsp;was unaufhaltsam ein Dasein als Tonne bedeuten w\u00fcrde, so man nicht beizeiten mit allen verf\u00fcgbaren Mitteln gegensteuere. Diese lauten: Nahrungserg\u00e4nzungsmittel, die man nat\u00fcrlich zum Vorteilspreis \u00fcber ihn beziehen k\u00f6nne, und vor allem Training, Training, Training.<\/p>\n\n\n\n<p>5 Minuten sp\u00e4ter sitze ich also auf der Bankdr\u00fcckmaschine, und dr\u00fccke Gewichte im Gegenwert von Rainer Callmund von mir weg. Das muss ich jetzt noch 11x tun, danach 1 Minute&nbsp; Pause machen, um dann noch 12x zu dr\u00fccken. Ich frage mich, ob einem Arme auch einfach abfallen k\u00f6nnen und ob das nicht die eleganteste L\u00f6sung f\u00fcr alle sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach ist mir leicht bl\u00fcmerant und ich wechsle zu einem Beinfolterger\u00e4t, auf dem man in h\u00f6chst unw\u00fcrdiger Position gleich eines eingespannten Frosches auf dem Bauch liegt und gewichtbeladene Rollen nach oben pressen muss. Ich freue mich extrem auf die Heimfahrt sp\u00e4ter, frage mich aber auch, ob ich noch genug Kraft haben w\u00fcrde, um Kupplung und Gaspedal bet\u00e4tigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>8 Stationen sp\u00e4ter habe ich es dann geschafft. Ich wei\u00df nicht mehr wie. In besonders traumatischen Situationen neigt der Geist ja zur Dissoziation. Doch Hansi ist sehr zufrieden mit mir, auch wenn ich nicht mehr sprechen kann und mir w\u00fcnsche, es g\u00e4be noch Zivildienstleistende, die mich jetzt einfach nach Hause fahren und in mein Bett legen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund ganz bl\u00f6der Umst\u00e4nde war ich dann l\u00e4ngere Zeit leider nicht mehr in meinem Studio, hust, was mein Unterbewusstsein nat\u00fcrlich nicht unkommentiert lie\u00df. Eines Tages fand ich dann auf Instagram mit seinen sponsored Ads ein Angebot namens BodyBoss. Und w\u00e4hrend ich also gem\u00fctlich an meinem Milchkaffee nippe, schaue ich mir das ganze mal in Ruhe an.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der sch\u00f6n gestalteten Website schw\u00e4rmen d\u00fcnne und nicht so d\u00fcnne Frauen vom tollen Training, mit dem man seinen K\u00f6rper komplett transformieren k\u00f6nne. Von labbrisch zu knaggisch in nur 12 Wochen. 3x die Woche trainiert man bequem (!!) von zuhause aus das Programm, das nur 14 Minuten dauert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bingo! Ich bin dabei. BodyBoss ist mein Freund. Zack, hab ichs auch schon runtergeladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fange hochmotiviert mit dem Pre-Training an. Das ist das Training, um f\u00fcr das eigentliche Training fit zu sein, und dauert 4 Wochen. Dieser Hinweis h\u00e4tte mich stutzig werden lassen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>An Tag eins stelle ich fest, dass das mit den 14 Minuten nicht ganz hin kommt. Denn zuerst soll man sich ja aufw\u00e4rmen. Joggen oder Seilspringen sind daf\u00fcr geeignet. Ich habe kein Seil. Also bestelle ich ein Seil (musste sp\u00e4ter allerdings feststellen: Bl\u00f6de Wohnung war zu kurz f\u00fcr Seil). Ich entscheide mich also vertretungsweise f\u00fcr den Hampelmann. Also hampelmanne ich wild herum, bis ich merke, dass die Nachbarin von gegen\u00fcber irgendwie seltsamer als sonst guckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziemlich aus der Puste stelle ich fest, dass es jetzt auch noch nicht losgeht, sondern dass jetzt erst das 10-min\u00fctige Stretchingprogramm zu erfolgen hat. Nach 18 Minuten bin ich damit durch und komme zum Hauptprogramm. 7 kleine \u00dcbungen soll man je 30x wiederholen, danach 3 Minuten Pause machen, Wasser trinken und dann nochmal alles wiederholen. Nach Adam Riese hat man das dann laut BodyBoss in 14 Minuten geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem ersten Durchgang trinke ich in meiner 3-Minuten-Pause 3 Liter Wasser, denn genau das ist die Fl\u00fcssigkeitsmenge, die ich bei Sumo-Squats und Co. zuvor verloren habe. Nat\u00fcrlich habe ich auch nicht 7 Minuten gebraucht, sondern eine gef\u00fchlte Ewigkeit. Und das schlimmste ist: ich habe noch Durchgang 2 vor mir und das gesammte Stretchingprogramm zum Cool Down. Danach muss ich noch das Wohnzimmer wischen, nicht dass der Mann auf den Schwei\u00dfpf\u00fctzen ausrutscht und sich das Bein bricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Rede kurzer Sinn, ich habe 3 Wochen durchgehalten \u2013 im Pre-Training wohlgemerkt. Es gab Tage, an denen ich nicht laufen oder sitzen konnte. Und Tage, an denen ich beides nicht konnte. Ich habe schon Experten f\u00fcr H\u00fcftprobleme gegoogelt und in meine Matte geheult. Ich war einfach der unsportlichste Mensch des Planeten \u2013 soviel war klar, denn diese ganzen Frauen da auf der Seite konnten das ja wohl auch und sie L\u00c4CHELTEN auch noch dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dann fand ich (endlich) diesen Artikel im Netz \u00fcber H.I.I.T \u2013 und nichts anderes war mein Programm: High Intense Intervall Training. Ein Training, das auch Olympioniken machen. Oder Fu\u00dfballnationalspieler. Und Chuck Norris. Naja, und ich. Bei diesem Training w\u00fcrde, so der Experte, der Muskel in einen Schockzustand versetzt. Und dadurch quasi zum Wachstum angeregt. Dieser Schockzustand hatte sich anscheinend auf meinen gesamten K\u00f6rper \u00fcbertragen. Ich war gar nicht so unsportlich. Das ganze Geschwitze, Gepuste und Ich-sterbe-gleich war DAS PROGRAMM. Aha. Alles richtig gemacht. Und doch auch wieder nicht. Denn da stand auch &#8222;\u201eHIIT macht uns muskul\u00f6ser, st\u00e4rker und schneller, aber es l\u00e4sst uns auch schneller altern\u201c \u2013 das sagt zumindest Michol Dalcourt vom Institut f\u00fcr Bewegung in Kalifornien. Oops!<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n, dachte ich mir. Ich habe es probiert. Den Superfettburner, der dich ratzfatz aussehen l\u00e4sst wie Donatella Versace, wenn du nicht aufpasst. Ich werde einfach weiter brav 1x die Woche zum Yoga gehen. Und viel zu Fuss. Und da ich oft zu sp\u00e4t bin, auch viel schnell zu Fuss. Und ich werde mir wieder einen Hund holen. Ganz bald. Denn bis der dann wieder brav an der Leine l\u00e4uft, hab ich das Armtraining gratis mit dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sport und ich waren noch nie die besten Freunde. Was willste auch machen, wenn du als Kind der unsportlichsten Menschen des Planeten aufw\u00e4chst. Bei uns zuhause musste sogar die Nachbarin mit dem Hund gehen. Das sagt doch alles. Dementsprechend traumatisch sind meine Erinnerungen an den Sportunterricht. 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