{"id":121,"date":"2016-07-04T16:27:00","date_gmt":"2016-07-04T16:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lifeofanjamo.com\/?p=121"},"modified":"2023-03-26T16:28:08","modified_gmt":"2023-03-26T16:28:08","slug":"maenner-am-rande-des-nervenzusammenbruchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lifeofanjamo.com\/?p=121","title":{"rendered":"M\u00e4nner am Rande des Nervenzusammenbruchs"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich gebe zu, ich habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr M\u00e4nner. Vierbeinige im Besonderen. Das k\u00f6nnte daran liegen, dass mein erster R\u00fcde, Westhighland-Terrier \u201eCedarfell of High and Mighty\u201c, schon sehr fr\u00fch in mein Leben trat. Wir waren beide f\u00fcnf Monate alt und sich seitdem hat sich die Devise \u201eeinmal R\u00fcde, immer R\u00fcde\u201c durchgesetzt. Von H\u00fcndinnen wei\u00df ich deswegen recht wenig, nur, dass sie l\u00e4ufig werden und dabei spezielle Hosen tragen, vor allem, wenn man hellen Teppichboden besitzt. Dass sie nicht so oft pullern m\u00fcssen, dies aber, laut meiner Freundin, immer auf weichem Untergrund, \u201esonst passiert da gar nichts und du l\u00e4ufst nachts um halb eins noch \u2019ne Stunde im Schlafanzug durch die Gegend, bis Madame eine Stelle gefunden hat, die genehm ist.\u201c H\u00fcndinnen k\u00f6nnen dazu scheintr\u00e4chtig werden, w\u00e4hrenddessen leicht depressiv ihre Stofftiere bemuttern und dich so um deinen Schlaf bringen. Dann wei\u00df ich nat\u00fcrlich, dass es bei einem Kampf unter H\u00fcndinnen ziemlich zur Sache gehen kann (\u201eauf Leeeben und Tod, das sag ich dir!\u201c), w\u00e4hrend R\u00fcden gerne mal auf dicke Hose machen und sich ziemlich schnell auf- und wieder abplustern. Wie bei uns Menschen also auch. R\u00fcden erscheinen mir also recht pflegeleicht im Vergleich zu den Damen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzige Zeit im Jahr, in der es f\u00fcr den gemeinen R\u00fcdenbesitzer brenzlig wird, ist der Fr\u00fchling. Denn da kommen oben genannten Damen ins Spiel. Cedarfell, der recht schnell den neuen Namen \u201eSeppl\u201c bekam \u2013 schlie\u00dflich lebte man in der oberbayerischen Provinz in den sp\u00e4ten 70-gern, als es noch keine Vornamen von Starwarshelden, amerikanischen Popstars oder Obst gab \u2013 f\u00fchlte sich in dieser Zeit sehr \u201ehigh &amp; mighty\u201c. Deutlich mehr als es seine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe vermuten lie\u00df. Und so hielt ihn auch ein gut umz\u00e4untes Grundst\u00fcck nicht davon ab, die Dame seines Herzens aufzusuchen. Diese lebte im Nachbardorf und war l\u00e4ufig. Um zu ihr zu gelangen, durchquerte er, wie uns sp\u00e4ter berichtet wurde, den Inn. Schwimmend. Ende Februar. Und sa\u00df patschnass, zitternd, aber gl\u00fccklich vor der T\u00fcre seiner Auserw\u00e4hlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir dagegen wussten von seiner Tour d\u2019Amour nichts und so klapperten meine Eltern frierend und voller Sorge tagelang die Stra\u00dfen unseres Dorfes ab, um ihn zu suchen \u2013 nicht so leicht, wenn der Hund wei\u00df ist und \u00fcberall Schnee liegt. Nach einer Woche erreichte uns endlich ein Anruf des \u00f6rtlichen Tierheims, dass ein Hund abgegeben wurde, und man von Bekannten von Bekannten geh\u00f6rt h\u00e4tte, dass bei uns ein ebensolcher abg\u00e4ngig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erste Amtshandlung nach der R\u00fcckkehr des Ausrei\u00dfers verst\u00e4rkte mein Vater den Zaun mit Hasendraht, um ihn ausbruchssicher zu machen. Der Hund quittierte seine Bem\u00fchungen mit lautem Heulen und Fasten, nahm etwas ab und war tagelang beleidigt. Seinen aufgestauten Frust aufgrund der Isolationshaft lie\u00df er kurz darauf am Hund des Nachbarn aus, der es wagte, neugierig seine Schnauze durch den oberen, hasendrahtfreien Teil des Zauns zu stecken. Seine untere Zahnreihe \u00fcberstand diese waghalsige Aktion leider nicht unbeschadet. Nur gut, dass sein Herrchen Zahnarzt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Tarzan, der Gebirgsschweisshund unserer Nachbarn, bekam im Fr\u00fchling Stubenarrest, da er gerne alleine die Gegend unsicher machte. Doch Tarzans Freiheitsdrang tat dies keinen Abbruch und so sprang er vom Balkon im ersten Stock in den Garten und war ein paar Wochen sp\u00e4ter stolzer Vater von vier kleinen Rackern \u2013 sehr zur Freude der ganzen Familie, die nachdr\u00fccklich in die Vermittlung der Kleinen eingebunden wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser zweiter Hund B\u00e4rli sollte laut Meinung meiner Eltern nicht das trost- und sexlose Leben seines Vorg\u00e4ngers wiederholen m\u00fcssen. Um nicht ausschlie\u00dflich die Waden unserer Besucher und die Decke seines K\u00f6rbchens begatten zu m\u00fcssen, kam \u201eElfie\u201c f\u00fcr ein paar Tage zu Besuch. Elfie war eine entz\u00fcckende kleine Westie-Dame mit tadellosem Stammbaum und au\u00dferdem, laut Elftes Frauchen, l\u00e4ufig. Beste Voraussetzungen also.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00e4rli zog von Tag eins bis drei ihres Aufenthalts alle Register seiner m\u00e4nnlichen Verf\u00fchrungskunst. Und biss auf Granit. Elfie zeigte sich zwar interessiert, aber in letzter Konsequenz gab sie ihm ordentlich auf die M\u00fctze, sobald er auch nur geringste Anstalten machte, ihr zu nahe zu kommen. An Tag vier hatte sie es sich dann anders \u00fcberlegt, doch unser Hund war aufgrund der vielen gesammelten K\u00f6rbe so traumatisiert, dass er v\u00f6llig regungslos mit gespitzten Ohren vor ihr sa\u00df und sich nicht mehr vom Fleck bewegte, ganz gleich, wie sehr sie auch vor seiner Nase mit ihrem Popo wackelte. An Tag f\u00fcnf wurde Elfie unverrichteter Dinge wieder abgeholt und ab da war das Thema f\u00fcr alle erledigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein jetziger R\u00fcde kommt aus Spanien und wurde daher serienm\u00e4\u00dfig mit einer extra Portion Testosteron ausgeliefert. Doch mit jedem neuen vierbeinigen Mann lernt man ja dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Lektion eins: Die Hundeschule (weil, Erziehung ist das A &amp; O, auch bei Hormonen, sagt man). Nach konsequentem Training klappte der R\u00fcckruf wie aus dem Lehrbuch. Bis zu dem einen Tag am 1. Mai, als wir \u2013 und mit uns zig andere Hundebesitzer \u2013 diesen besonders sch\u00f6nen und viel besuchten Rundweg betraten. Unter diesen Hundebesitzern war einer, der es f\u00fcr eine gute Idee hielt, seiner l\u00e4ufigen H\u00fcndin auch diesen einen, besonders sch\u00f6nen Ausflug zu g\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weg war er also, unser Spanier, und zwar schneller als man \u201eStopp\u201c rufen konnte. Und mit ihm alle anderen R\u00fcden auf der Strecke. Der restliche Spaziergang gestaltete sich dann weniger sch\u00f6n, ich rief sein Kommando, ich wedelte erfolglos mit seiner Lieblingswiener, ich rannte querfeldein. Ich fragte andere Menschen, ob sie ihn gesehen h\u00e4tten, doch diese fragten nur zur\u00fcck, ob ich ihren Hund gesehen h\u00e4tte. Stunden sp\u00e4ter hatten wir ihn dann doch eingefangen. Frauchen, Herrchen und Hund waren ersch\u00f6pft. Was f\u00fcr ein R\u00fcckschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag stellte Hund das Fressen ein und zog es stattdessen vor, jeden Grashalm einzeln ausgiebigst zu belecken. B\u00e4h! Mit ihm im Schlepptau kam ich ab sofort zu jeder Verabredung zu sp\u00e4t. Trotz Leine. Trotz Wurst. Trotz all der sch\u00f6nen Kommandos, die wir gelernt hatten. Seine Gehirnfunktionen hatten auf Standby geschaltet und andere Regionen das Ruder \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fragte meine Freundin um Rat. Sie nickte wissend und erz\u00e4hlte mir von Strolch, dem Dackel ihrer Kindheit. \u201eSch\u00e4tzelein, ich sag es dir. Unser Strolch hat sich im Fr\u00fchling alles unter den Nagel gerissen und gerammelt. Sofakissen. Beine. Meine sch\u00f6nen Stofftiere \u2013 ich habe geweint deswegen! Dem hing den ganzen Tag die Zunge raus und seine Augen waren doppelt so gro\u00df wie sonst. Der sah aus wie das Eichh\u00f6rnchen aus Ice Age. Der war fix und fertig und hatte permanent diesen irren Blick.\u201c Ja, diesen Blick kannte ich nur zu gut. \u201eAm Ende ging meine Mutter mit ihm zum Tierarzt und der gab ihm dann zur Beruhigung eine Spritze, wie sie sonst Bullen gegeben wird. Danach war Ruhe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erwog, meine Tier\u00e4rztin nach eben dieser Bullenspritze zu fragen. Sie empfahl mir stattdessen Globuli. Ein paar Tage sp\u00e4ter rief mich unsere Gassigeherin an, dass Spike ab sofort nicht mehr ohne Leine laufen darf. \u201eEr ist abgehauen. Am Horizont war eine H\u00fcndin. Ich musste ihn wieder einfangen und das war nicht leicht.\u201c Ich konnte sie sehr gut verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gingen also wieder zum Tierarzt. Dieser stellte auf dem R\u00f6ntgenbild eine sehr, sehr gro\u00dfe Prostata fest. Deutlich zu gro\u00df f\u00fcr den kleinen Hund. Mich wunderte gar nichts mehr. Die Empfehlung lautete Hormonchip, die neue Wunderwaffe der Pharmazie. \u201eIch sag es Ihnen aber gleich: Die ersten 4-6 Wochen werden sich die Symptome verschlimmern.\u201c Verschlimmern? Noch schlimmer als jetzt? Ich erwog eine Auswanderung in reizarme Gebiete wie die W\u00fcste Gobi oder die Antarktis. Aber der Mensch h\u00e4lt ja mehr aus, als man denkt. Und nach diesen sechs Wochen kehrte endlich Ruhe ein. Bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchling.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, ich habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr M\u00e4nner. Vierbeinige im Besonderen. 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